Owned Experience · Kapitel 7 von 8
Was KI daran ändert und was nicht
KI verändert, wie Menschen Unternehmen finden und mit ihnen sprechen, und hebt ihre Erwartungen an alle digitalen Services. Wer seine Touchpoints als Ganzes führt, hat das meiste getan; wer sie im Stückwerk verwaltet, merkt es spätestens jetzt.
Dieses Kapitel ordnet ein, was sich durch KI-Suche, Generative Engine Optimization (GEO) und KI-Agenten für Sichtbarkeit und Kundenkontakt ändert, auch im B2B-Einkauf, und welche Grundlagen gleich bleiben.
Was KI daran ändert und was nicht
Die erste Veränderung ist die Suche. Immer mehr Fragen werden von einer KI beantwortet, bevor jemand eine Website sieht; Zahlen und Grundlagen stehen in Kapitel 4. Die Prognose, das klassische Suchvolumen werde bis 2026 um ein Viertel einbrechen, ist bislang nicht eingetreten45. Und was in den Antworten steht, speist sich (hoffentlich) aus eigenen Inhalten, Daten und der Marke. Was KI-Systeme über ein Unternehmen sagen, stützen sie neben eigenen Inhalten auch auf Bewertungen, Kundenstimmen und Berichte Dritter; die Erfahrung der Kunden spricht dort mit19. Wer diese Grundlagen nicht hat, wird sie mit einem Tool nicht nachholen. Diese Grundlagen sind im Grunde alte Schule. Wer Marketing nie auf Werbung verkleinert und seine Hausaufgaben bei Marke, Nutzererfahrung und Technik gemacht hat, für den ist GEO weniger neu, als es klingt.
Die Customer Journey beginnt damit oft in Oberflächen, die dem Unternehmen nicht gehören, in der Google-Suche, die über Gemini zunehmend selbst KI-Antworten gibt, und in Assistenten wie ChatGPT oder Perplexity. Bei einer Anzeige gestaltet das Unternehmen Text und Bild direkt. In den Suchergebnissen geht das nur indirekt, und gute SEO macht seit Jahren vor, wie: Wer Titel und Beschreibung in der Sprache der Marke schreibt und auf Klicks optimiert, gestaltet den ersten Touchpoint selbst, obwohl die Seite Google gehört. In KI-Antworten geht das genauso indirekt, mit weniger Kontrolle, aber mit demselben Anspruch: Owned Experience.
Die zweite Veränderung ist der Kundenkontakt selbst. 2025 setzten 36 Prozent der deutschen Unternehmen KI ein, und von diesen taten es 88 Prozent im Kundenkontakt46. Der Chatbot im Service, der Assistent im Shop, der Agent, der eine Anfrage vorqualifiziert: Das sind neue Touchpoints, und für sie gelten dieselben Regeln wie für alle anderen. Sie brauchen ein Ziel, eine Verantwortung, Messung an Wirkung und die Marke als Maßstab. Gerade das Letzte wird übersehen. Ein hochwertiges Erscheinungsbild neben einem Bot, der spricht wie jeder andere oder dem die entscheidenden Daten nicht zur Verfügung stehen, kostet Vertrauen; die Marke braucht neben Bild und Sprache eine dialogische Identität, die zu ihr passt: Tonalität, Antwortmuster, Umgang mit Missverständnissen47. Wer die Marke in Akzeptanzkriterien übersetzt hat (Kapitel 4), kann sie dem Agenten mitgeben. Wer sie nur als Logo und Farbe hat, bekommt einen generischen Agenten in Markenfarben.
Die dritte Veränderung betrifft das B2B. 67 Prozent der B2B-Käufer würden lieber ohne Vertriebskontakt kaufen, 45 Prozent haben bei einem kürzlichen Kauf KI genutzt48; für Business-Einkäufer ist generative KI inzwischen ein wichtiger Ausgangspunkt der Recherche49. Zugleich wollen 69 Prozent die KI-Ergebnisse mit Vertriebsmitarbeitenden absichern48. Die KI entscheidet damit, ob ein Anbieter auf die Liste kommt, die Website, ob er darauf bleibt, der Vertrieb, ob er gewinnt.
Was bleibt, ist das Prinzip: vom Kundenerlebnis her, an Wirkung gemessen, in kleinen Schritten, mit der Marke als Maßstab und einem Team, das verantwortet. Ein eigenes KI-Budget für den Kundenkontakt braucht es dafür nicht; KI-Agenten und GEO sind Teil der Owned Experience und werden an denselben Zielen gemessen. Dafür braucht es im Marketing mehr Verständnis für Technik, und es braucht eine Verantwortung, die das Ganze überblickt und führt. Wer auf einen guten Anlass gewartet hat, hat ihn jetzt.
Fußnoten
Quellen
- Bitkom 2025 Bitkom: KI in deutschen Unternehmen. Pressemitteilung, 15.09.2025. 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Durchbruch-Kuenstliche-Intelligenz (abgerufen am 06.10.2026).
- Forrester 2026b Forrester: The State of Business Buying, 2026. Pressemitteilung, 21.01.2026. Fast 18 000 B2B-Käufer weltweit. https://www.forrester.com/press-newsroom/forrester-2026-the-state-of-business-buying/ (abgerufen am 06.10.2026).
- Gartner 2024 Gartner: Search Engine Volume Forecast. Pressemitteilung, 19.02.2024. https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2024-02-19-gartner-predicts-search-engine-volume-will-drop-25-percent-by-2026-due-to-ai-chatbots-and-other-virtual-agents (abgerufen am 06.10.2026).
- Gartner 2026c Gartner: B2B Buying Survey. Pressemitteilung, 20.05.2026. 645 B2B-Käufer, August und September 2025. Erhebt Präferenzen, kein beobachtetes Verhalten. https://markets.ft.com/data/announce/detail?dockey=600-202605200900BIZWIRE_USPRX____20260520_BW585188-1 (abgerufen am 06.10.2026).
- Gartner 2026d Gartner: B2B Buyers and AI. Pressemitteilung, 20.05.2026, wie Gartner 2026c.
- think moto 2026a Spies, Marco: Warum Conversational AI heute Teil des Corporate Designs ist. think moto, 27.01.2026. https://thinkmoto.de/warum-conversational-ai-heute-teil-des-corporate-designs-ist/ (abgerufen am 06.10.2026).
- think moto 2026b Spies, Marco: Ist deine Marke AI-ready? 10 Fragen für CMOs. think moto, 07.07.2026. https://thinkmoto.de/ist-deine-marke-ai-ready-10-fragen-fuer-cmos/ (abgerufen am 06.10.2026).
Weiterdenken
- Wie klingt Ihre Marke, wenn Ihr Chatbot auf eine Beschwerde antwortet?
- Läuft GEO bei Ihnen als eigener Budgetposten oder als Teil der Verantwortung für Ihre digitalen Touchpoints?
Das ganze Whitepaper als PDF
Alle acht Kapitel mit Schaubildern, sieben Anstößen und Quellen auf rund 30 Seiten. Zum Ablegen, Drucken und Weitergeben, frei und ohne Formular.
Kommen wir ins Gespräch
Jedes Unternehmen hat seine eigene Ausgangslage. Ob Sparring, gemeinsame Bestandsaufnahme oder Verantwortung auf Zeit, interim oder fractional, bis die Rolle intern besetzt ist: Schreiben Sie mir oder rufen Sie an. Vorbereiten müssen Sie nichts.
-
E-Mail
mail@druhm.digital -
Telefon
+49 1577 1973022 -
LinkedIn
linkedin.com/in/ddruhm