Mehr Vorhaben als Kapazität
Wie Business und IT gemeinsam entscheiden
In vielen Unternehmen liegen mehr Vorhaben auf dem Tisch, als die IT gleichzeitig umsetzen kann. Betrieb, Sicherheit und neue Pflichten laufen weiter, Digitalisierung und KI kommen hinzu. Hier beschreibe ich, was ich in Unternehmen beobachte und wie Business und IT gemeinsam einen Anfang finden, ohne die Organisation umzubauen.
Lesezeit etwa fünf Minuten.
Drei Aufgaben, eine Kapazität
Die IT hält den Betrieb am Laufen: Systeme, Arbeitsplatz-IT, Informationssicherheit, neue regulatorische Pflichten. Sie verändert Bestehendes: neue Anwendungen, Automatisierung, die Ablösung alter Systeme. Und sie soll die Digitalisierung des Unternehmens voranbringen: digitale Services, neue Geschäftsmodelle, KI.
Alle drei Aufgaben greifen auf dieselben Menschen zu. Was davon Vorrang hat, wird zu selten gemeinsam abgestimmt und mit Blick auf alle Folgen entschieden. Im Alltag kommt dann leicht zuerst dran, wer am lautesten ruft.
Was halb fertig ist, kostet Geld
Jedes begonnene Vorhaben bindet Menschen und Budget. Ertrag bringt es erst, wenn es abgeschlossen ist. In der Fertigung hieße das Lagerbestand, und kein Finanzvorstand ließe ihn wachsen, ohne nachzufragen. Bei IT-Vorhaben wächst dieser Bestand schnell und unbemerkt: Es wird mehr angefangen als abgeschlossen, und alles dauert länger.
Den größten Teil der Durchlaufzeit macht manchmal Wartezeit aus: auf eine Entscheidung, eine Freigabe, ein anderes Team. Dabei gilt: Wer weniger gleichzeitig anfängt, schließt früher ab. Zusätzliche Leute beschleunigen das kaum, sie verlängern vor allem die Abstimmung.
Eine Frage hilft mehr als jede Prioritätsstufe: Welches Vorhaben kostet uns am meisten, wenn es drei Monate später fertig wird?
Strategie bis in die tägliche Arbeit verbinden
Strategien denken (hoffentlich) in Jahren, Teams in Wochen. Dazwischen fehlt oft die Übersetzung. Dann arbeiten Teams an dem, was ihnen selbst am wichtigsten erscheint oder am lautesten gefordert wird. Zum Jahresende wird dann auf den letzten Drücker passend gemacht, was zur Strategie beigetragen haben soll.
Strategie operationalisieren heißt für mich: aus einer im Alltag nützlichen Strategie wenige messbare Ergebnisziele ableiten, mit einer Herleitung, die alle Beteiligten gleichermaßen verstehen. Jedes Vorhaben gehört zu einem dieser Ziele oder ist ausdrücklich als Pflicht ausgewiesen. Das Budget hängt an den Zielen und wird regelmäßig nach Wirkung angepasst.
Wer Neues will, entscheidet mit, was dafür entfällt
Pflichtthemen wie Informationssicherheit, neue gesetzliche Vorgaben oder der Ersatz alter Systeme haben selten einen offensichtlichen Bezug zu den Geschäftszielen. Zum Geschäftserfolg tragen sie trotzdem bei, weil sie den Betrieb absichern und das Unternehmen zukunftsfähig halten. In der Strategie fehlt das manchmal, weil es selbstverständlich scheint: Das Unternehmen will auch in zehn Jahren noch Geschäft machen. Kapazität ziehen diese Themen in jedem Fall ab. Deshalb gehören sie sichtbar auf dieselbe Übersicht wie die neuen Vorhaben.
- Was das Unternehmen von der IT erwartet, wird sichtbar: alle laufenden und geplanten Vorhaben auf einer Übersicht.
- Wie viel Kapazität wofür zur Verfügung steht, wird ausdrücklich vereinbart, auch für Modernisierung und Betrieb. Sonst rückt, was wichtig ist und nie dringend wirkt, so lange nach hinten, bis es zum Notfall wird.
- Business und IT schauen regelmäßig zusammen auf diese Übersicht und entscheiden gemeinsam, was als Nächstes kommt und was dafür wartet oder entfällt.
So wird aus einem Streit über Prioritäten eine für alle sichtbare Entscheidung über Kapazität. Auch technische Schuld, also aufgeschobene Modernisierung, die jede spätere Änderung verteuert, wird damit zu einem Geschäftsrisiko, über das die Geschäftsführung mitentscheidet.
Nicht wer entscheidet, sondern: Wie wollen wir entscheiden?
Die Ursachen sind in jedem Unternehmen anders gelagert. Vergleichbar ist das Muster: Zwischen Business und IT fehlen vereinbarte Prinzipien der Zusammenarbeit. Welche Ziele gelten für alle? Was wird zentral entschieden, was in den Teams? Wann schauen Geschäftsführung, Fachbereiche und IT gemeinsam auf Fortschritt und Budget?
Digitalisierung verändert das ganze Unternehmen: Abläufe, Rollen, Zuständigkeiten. Das ist Organisationsentwicklung, und ihr Mandat liegt selten bei der IT. Deshalb setze ich bei beiden Bereichen zugleich an und richte sie gemeinsam auf die Kunden aus, intern wie extern.
Wenn KI schneller umsetzt, zählt die Entscheidung
Mit KI wächst der Druck. Über 70 % der CEOs halten das IT-Betriebsmodell ihres Unternehmens für nicht bereit für KI. Nur 24 % der CIOs sagen, ihr Modell passe sich wirksam an die Bedürfnisse des Business an (Gartner, 2026). Beide Zahlen beschreiben dieselbe Lücke: Wie IT und Business zusammen steuern, ist in vielen Unternehmen nicht vereinbart.
Gleichzeitig wird die Umsetzung schneller, in der Softwareentwicklung schon heute spürbar. Der Engpass wandert damit dorthin, wo entschieden wird: Was soll entstehen, für welche Kunden, mit welcher Wirkung? Wer das klar beschreiben kann, gewinnt mit KI Zeit. Unklare Anforderungen werden dagegen nur schneller umgesetzt.
Viele Unternehmen stehen noch am Anfang dieses Wegs. KI unterstützt einzelne Teams, die Frage, was zuerst kommt, bleibt die alte. Die Prinzipien auf dieser Seite helfen in beiden Lagen: Heute wählen Business und IT damit aus knapper Kapazität das Richtige. Je weniger die Umsetzung zum Engpass wird, desto mehr hängt der Erfolg an guten, kundennahen Entscheidungen und an Teams, die sie verantworten dürfen.
Deshalb laufen auch KI-Vorhaben über dieselbe Übersicht und nach denselben Prinzipien. Das nimmt Druck aus der Frage, wer zuerst KI einführt, und lenkt den Blick darauf, wo sie messbar wirkt.
Quelle: Gartner: How CIOs Move From IT Control to Technology Operating Model Orchestration (2026)
Starten Sie mit dem, was Sie haben
Es braucht zum Start noch keinen Umbau der Organisation und kein neues Framework. Am Anfang steht eine gemeinsame Bestandsaufnahme mit Ihnen und weiteren Verantwortlichen sowie Expertinnen und Experten aus Ihrem Haus. Ausgangspunkt ist, was es heute schon gibt: Strategien, Listen, Roadmaps, Tickets, Budgets.
- Sichtbar machen, was die IT heute leistet und was von ihr erwartet wird, damit alle über dieselbe Lage sprechen.
- Erkennen, wo Vorhaben und Ziele zusammenpassen und wo Arbeit wartet, damit klar wird, wo sich ein gemeinsamer Hebel lohnt.
- Geschäftsführung und Fachbereiche früh einbeziehen, damit aus der Bestandsaufnahme eine gemeinsame Entscheidung wird.
Mit dem Ergebnis beginnt das Gespräch mit Ihren Kolleginnen und Kollegen, z. B. in der Geschäftsführung oder den Fachbereichsverantwortlichen. Alle sehen dasselbe nachvollziehbare Bild: was das Unternehmen heute von der IT erwartet und was sie leistet. Auf dieser Grundlage lässt sich sachlich und gemeinsam entscheiden.
Wie das in Ihrem Unternehmen aussehen kann, klären wir am besten in einem ersten Gespräch. Bei der Bestandsaufnahme und den Gesprächen mit Ihren Kolleginnen und Kollegen unterstütze ich Sie.
Woran ich in diesem Thema konkret arbeite
- Digital-Strategie entwickeln und operationalisieren: von der Zielsetzung über Roadmap und Priorisierung bis in den laufenden Betrieb.
- Digital-Organisation aufbauen oder umbauen: Rollen, Verantwortlichkeiten und die Zusammenarbeit von Marketing, Vertrieb, IT und Entwicklung.
- Arbeitsweisen einführen, die zur Organisation passen, von gemeinsamen Zielen bis zur Steuerung aller Vorhaben.
- KI im digitalen Geschäft: Anwendungsfälle bewerten, pragmatisch einführen, Wirkung messen.
- Programme und Projekte steuern: Re-Platforming, neue Anwendungen, von der Auswahl der Dienstleister bis zum Go-Live.
20 Minuten für einen ersten Blick
Wo es bei Ihnen hakt und welcher Schritt als Nächstes sinnvoll ist. Gern auch zu dritt mit einem Mitglied Ihrer Geschäftsführung.

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